Ihr Hirn denkt schnell – und tut Ihnen damit nichts Gutes!

Bitte beantworten Sie die nachstehenden Fragen für sich selbst so schnell wie möglich. Wenn Sie ehrlich mitmachen, haben Sie mehr von diesem Artikel.

  1. Auf einem See sind Wasserlilien. Jeden Tag verdoppelt sich die Anzahl der Lilien. Nach 24 Tagen ist der gesamte See von Wasserlilien bedeckt. Wie lange dauert es, bis die Hälfte des Sees von Lilien bedeckt ist? 
  1. Ein Tischtennisschläger und ein Ball kosten gemeinsam €1.10. Der Schläger kostet €1 mehr als der Ball. Wieviel kostet der Ball? 
  1. Fünf Maschinen produzieren fünf Schilder in fünf Stunden. Wieviel Zeit brauchen drei Maschinen um drei Schilder herzustellen?

 

 Pause. Was sind Ihre Antworten? 12 Tage, 10 Cent und 3 Stunden?

Wenn mindestens eine Ihrer Antworten zutrifft, sind Sie in der Gemeinschaft von 75% aller Studenten, die diese Fragen gleich beantwortet haben. Und Sie liegen damit ebenso falsch. Sehen Sie sich die Fragen noch einmal an und denken Sie in Ruhe nach.

Warum haben Sie die falschen Antworten gegeben? Weil Sie faul im Denken sind. Ihre Mitarbeiter übrigens auch. Und ich natürlich auch.

Das klingt jetzt nicht so schmeichelhaft, ist aber so. Das Ganze hat einen evolutionären Grund. Je weniger sich das Hirn anstrengen muss, desto weniger Energie verbraucht es und desto eher überleben wir in der Wildnis, wo Futter rar ist.

Ok, Sie und Ihre Mitarbeiter sind also nicht faul, sondern effizient. Nobelpreisgewinner Daniel Kahneman, von dem die obigen Fragen stammen, hat zusammen mit seinem Freund und Kollegen Amos Tversky dieses Gebiet untersucht. Er beschreibt zwei unterschiedliche Arten von Denkprozessen: Schnelles und langsames Denken.

Was ich als „faul“ bezeichnet habe, bezeichnet Kahneman als „Schnelles Denken“. Die Art von Denken bei der wir annehmen, dass die Lösung einfach und nahe liegend ist und wir keinen zweiten Gedanken darüber verschwenden müssen. Unser Hirn freut sich, wenn es Aufgaben so lösen kann. Es belohnt uns sogar mit Glückshormonen dafür. Dieses Denken hat heute seine Existenzberechtigung vor allem im Alltag und bei Routineaufgaben, die wir im Schlaf lösen könnten. Wenn unser Hirn hier jedes Mal alles in Frage stellen und überdenken würde, hätten wir wahrscheinlich spätestens nach einer Arbeitswoche einen Nervenzusammenbruch.

Das Problem ist nur, wenn sich das schnelle Denken dort einschleicht, wo wir uns gründlich Gedanken machen müssen. Wenn bei einer vermeintlichen Routineaufgabe ein paar Details nicht ganz stimmen und genau nachgeprüft werden sollten. Oder wenn wir eine Situation als zu rosig einstufen, weil die Daten auf den ersten Blick ein positives Bild ergeben. Dann folgt im Nachhinein ein böses Erwachen.

Wie also schützen wir uns und unsere Mitarbeiter vor solchen Fehlern?

Sie könnten alle in eine schlechte Stimmung versetzen, oder die Schrift in e-Mails und Texten etwas unleserlich machen. Beides hat in Experimenten dazu geführt, dass Versuchspersonen bei den obigen Fragen wesentlich besser abgeschnitten haben. Anstelle der 75%, die mindestens eine Frage falsch beantwortet haben, waren es dadurch nur noch 33%.

Wenn Menschen glücklich sind, neigen Sie eher zum Schnellen denken. Wer also missmutig ist, denkt mehr über Dinge nach (und wird dadurch wahrscheinlich noch missmutiger). Wenn sich das Hirn außerdem beim Lesen bereits konzentrieren muss, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch über die bevorstehende Aufgabe stärker und mit höherer Konzentration nachgedacht wird. Dadurch ergeben sich weniger „Schnelligkeitsfehler“.

Dass das jetzt kein praktikabler Vorschlag ist, ist naheliegend. Außer Ihr Unternehmen hat die Missmutigkeit und schlechtes Arbeitsmaterial als Firmenkultur etabliert (was bei manchen Firmen wahrscheinlich nicht so weit von der Wahrheit weg ist).

Was also stattdessen machen? Erstens, die Mitarbeiter oder aber zumindest die Führungskräfte darüber informieren, dass es diese unterschiedliche Denkverhalten gibt. Zweitens, eine Kultur etablieren, bei der es normal ist, Dinge zu hinterfragen und zu überprüfen, vor allem bei kleinen Unstimmigkeiten. In vielen Fällen helfen Checklisten, Routineüberprüfungen oder ein simpler Wechsel der Rahmenbedingungen.

Sobald man über die unterschiedlichen Denkweisen Bescheid weiß, fällt außerdem schnell auf, wo deshalb bereits Fehler passiert sind. Diese Vorfälle zu dokumentieren und daraus Lösungsvorschläge zu entwickeln ist bereits die halbe Miete. Manchmal reicht auch ein Schild im Büro aus: „Wirklich darüber nachgedacht?“.

So oder so überlassen Sie sich und Ihre Mitarbeiter nicht den Launen Ihrer Gehirne. Mit ein wenig Planung können Sie auch diese Herausforderung spielend meistern.

   

IMPRESSUM - DATENSCHUTZ  - AGB - KONTAKT
© 2021 - Delano Training, Coaching & Consulting