Führung ist technischer als Sie denken – und menschlicher.

Unsere Gesellschaft hat eine falsche Vorstellung davon, was Führung ist. Ich wette Sie auch.

Die meisten von uns befinden sich beim Thema Führung in einem von zwei Extremen. Welche Extreme das sind und warum sie beide falsch sind, beschreibe ich in diesem Artikel.

 

Ich nutze fast täglich die Plattform LinkedIn, um mein Netzwerk zu erweitern und für dieses einen Mehrwert zu schaffen (wie zum Beispiel diesen Artikel zu schreiben). Dabei stoße ich auch regelmäßig auf diverse Posts, die das Thema Führung betreffen. Was 90% dieser Posts gemein haben, ist, dass das Thema Führung (fast) ausschließlich auf das zwischenmenschliche Verhalten reduziert wird. Klassiker dabei sind Bilder wie dieses:

(source: https://lifehacker.com/)

oder dieses


(source ZenHR)

Diese Bilder vermitteln den Eindruck, dass der hauptsächliche Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Führungskraft der zwischenmenschliche Umgang wäre. Ich neige dazu, dem zu widersprechen.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Niemand arbeitet gerne für einen miesepetrigen Chef und guter zwischenmenschlicher Umgang ist wichtig, ABER es nicht das Wichtigste und es ist nicht das, was eine gute Führungskraft AUSMACHT.

Sie können die beste zwischenmenschliche Beziehung mit Ihren Mitarbeitern haben und sind dennoch eine schlechte Führungskraft. Warum? Weil Sie mit Ihrem Team keine guten Ergebnisse erzielen.

 

Auf das Minimum runtergebrochen, müssen Sie als Führungskraft mehr bringen, als sie selbst kosten (inklusive der Mitarbeiter, die Sie eventuell vertreiben). Das geschieht durch zwei Möglichkeiten:

  1. Sie erbringen selbst Sacharbeit, die einen Wert hat (z.B. Sie programmieren selbst) oder
  2. durch Ihren Input und Ihre Tätigkeiten schaffen Sie einen erheblichen Mehrwert durch Verknüpfung, Verbesserung und Förderung der vorhandenen Personen, Ressourcen und Ideen.

Umfragen und Studien belegen, dass der Großteil der Führungskräfte die Variante 1 wählt. Sie verbringen ihre Zeit hauptsächliche mit Sachaufgaben, während die Führungstätigkeiten meist ausschließlich aus Kontrolle und administrativen Aufgaben bestehen (und dem obligatorischen Mitarbeitergespräch).

Aus dieser Ecke kommen wohl auch die ganzen Posts, die man so auf LinkedIn und anderen Social-Media-Kanälen findet. Wenn Führung ausschließlich aus Kontrolle und Verwaltung besteht, ist das einfach zu wenig. Die Mitarbeiter können zwar nicht immer zu 100% benennen, was fehlt, aber das etwas fehlt, ist offensichtlich.

 

Die Variante 2 ist wesentlich schwieriger zu erfüllen und wird deshalb wohl auch seltener gewählt. Wie sorgt man auch dafür, dass z.B. Mitarbeiter produktiver arbeiten? Durch Druck? Durch Motivation?

Meist wird hier entweder an der rein technischen Schraube gedreht (neue Maschinen, neue Software, Optimierung der Produktionsprozesse, usw.) oder versucht, den persönlichen Einsatz der Mitarbeiter zu erhöhen (durch Incentives, eine neue Vision, diverse Benefits, usw.).

Seien wir jetzt ehrlich: Wie oft funktioniert das wirklich?

In den meisten Fällen nicht. Deshalb arbeiten hochintelligente Führungskräfte oft 60-65 Stunden pro Woche, drohen auszubrennen und erzielen trotzdem nur durchschnittliche Ergebnisse.

 

Was möchte ich mit diesem Artikel jetzt erreichen? Ich will damit aufzeigen, dass weder der technische Ansatz noch der zwischenmenschliche Ansatz wirklich zum Ziel führt. Der Grund dafür ist, dass bei beiden Ansätzen Wesentliches übersehen wird.

Der Grund, warum Ansätze, die ausschließlich auf Optimierung abzielen, nur bedingt funktionieren (außer bei reinen Produktionsprozessen), liegt daran, dass das menschliche Verhalten ein komplexes System ist. Das bedeutet, dass jeder Mitarbeiter ein und dieselbe Information anders versteht, interpretiert, entsprechend handelt und sich die Mitarbeiter mit ihrem Verhalten auch gegenseitig beeinflussen. Rein technische Ansätze sind zum Scheitern verurteilt, weil Menschen auf den gleichen Input immer unterschiedlich reagieren – und sich daher nicht technisch optimieren lassen.

Auf der anderen Seite ist Führung aber wesentlich mehr, als nur eine gute zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen – wie bereits erwähnt, können Sie den besten Draht zu Ihren Mitarbeitern haben, diese sind hochmotiviert, inspiriert und performen dennoch nur durchschnittlich. Damit Höchstleistungen erzielt werden können, müssen Sie die Schwächen des menschlichen Verhaltens durch Führung ausgleichen.

 

Das bedeutet, als Führungskraft müssen Sie dafür sorgen, dass Sie die notwendige Klarheit für Ihre Mitarbeiter schaffen. Es dürfen nicht zu viele und nicht zu wenige Informationen zu Verfügung stehen, Mitarbeiter dürfen nicht daran erschöpfen, dass sie Entscheidungen treffen müssen, die Sie im Vorfeld hätten klären können, es braucht erprobte Lösungswege für regelmäßig auftretenden Probleme, …

Auf der anderen Seite müssen Sie die emotionale Seite berücksichtigen. Schrecken Mitarbeiter vor einer großen Aufgabe zurück, dann werden sie kaum Momentum gewinnen. Reagieren Mitarbeiter auf Probleme nicht, obwohl sie diese rational verstehen, haben sie ein emotionales Problem. Es braucht die richtige Identität im Team, Mitarbeiter müssen mit Feedback umgehen können…

Das Umfeld muss für Höchstleistungen optimiert sein. In vielen Fällen wirkt die Situation, in der sich die Mitarbeiter befinden, einer hochproduktiven Arbeit entgegen. Wird z.B. ein Entwickler regelmäßig unterbrochen, steigert das die Fehlerquote und senkt den Output enorm. Oder ein Beispiel einer meiner Coachees: Der Verrechnungsprozess bei Kundenterminen war so kompliziert, dass die Mitarbeiter, anstelle sich auf den Kunden und eventuelle Zusatzgeschäfte zu konzentrieren, sich mit der korrekten Abrechnung herumschlagen mussten.

 

Als erfolgreiche Führungskraft müssen Sie also im Stande sein, es Ihren Mitarbeitern leichter zu machen, Höchstleistungen zu erzielen. Diese Aspekte haben einen technischen Charakter, weil sie konkret mit Hilfe von Werkzeugen und Konzepten verbessert und gelöst werden können. Sie haben aber auch einen menschlichen Charakter, weil sie trotz allem die Komplexität des menschlichen Verhaltens berücksichtigen. 

Wollen Sie diesen Mittelweg gehen, ist ein erster guter Schritt die fünf häufigsten Falschannahmen der Mitarbeiterführung zu kennen und zu vermeiden. Sie können hier das dazugehörige PDF kostenlos herunterladen. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, sich bewusst in diese Richtung weiterzubilden. Dafür darf ich Ihnen mein 1:1 Training „Effektive Mitarbeiterführung“ nahelegen.

Egal wie Sie die notwendigen Fähigkeiten erlangen, Sie müssen diese beherrschen, um Ihrer Rolle als Führungskraft gerecht zu werden und einen wirklichen Mehrwert für Ihr Unternehmen schaffen.

 

Heißt das jetzt, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen unwichtig sind? Nein, überhaupt nicht. Aber wenn Sie im Stande sind, effektiv zu führen, stellen sich diese in 99% der Fälle automatisch ein.

  • Erstens merken Mitarbeiter sehr schnell, dass Sie als Führungskraft ihnen das Leben leichter machen und respektieren und schätzen Sie dafür.
  • Zweitens werden Sie automatisch einen wesentlich besseren Umgang mit Ihren Mitarbeitern pflegen, weil Sie verstehen, was diese bewegt und wie Sie deren Verhalten zum Vorteil aller positiv beeinflussen.

Laufen Sie also nicht mit einer Entweder-oder-Scheuklappe durchs Leben, helfen Sie Ihren Mitarbeitern mit menschlich-technischen Werkzeugen und Methoden zur Höchstleistung aufzulaufen und übernehmen Sie damit Verantwortung als Führungskraft.

So long,

Ihr Stefan Delano

   

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