Wie mich die Renovierung meines Hauses in Change Management bestärkt hat

Meine Frau und ich haben heuer inmitten der COVID19-Krise ein Haus gekauft. Das Kaufangebot wurde genau vor der Zuspitzung gestellt, der Vertrag zu Beginn des Lockdowns unterschrieben. Dann hieß es warten – im Lockdown war so gut wie nichts zu machen. Die Verkäufer konnten das neue Haus nicht räumen, wir das alte nicht (Sperrmüll-Deponien waren geschlossen, Transporteure arbeiteten nicht) und an Möbelkauf (außer online) sowie Begehung mit Handwerkern usw. war nicht zu denken. Es folgten eineinhalb Monate, dann konnten wir unser neues Haus endlich beziehen – das allerdings war hektisch und stressig, da wir die Räumung des alten Hauses zeitlich vereinbart hatten. Durch das ganze Chaos (wir waren – wie viele andere auch – beruflich von Corona betroffen) litt die gesamte Vorbereitung. Der Einzug war nicht so geplant, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Wir standen nun in unserem Haus, wo wir eigentlich einiges vorab erledigt haben wollten, mitten in Schachteln und ohne direkten Plan, was wir als erstes angehen sollten. Wir hatten kein Bett, keine Lampen, stellten fest, dass das Bad im Obergeschoss, wo wir anfänglich direkt einziehen und wohnen wollten, die Armaturen und das Waschbecken abmontiert wurden. Zusätzlich wurden auf unseren Wunsch verbaute Schränke entfernt, wo allerdings im Laufe der Jahre von den Vorbesitzern neue Böden RUND UM diese Schränke gelegt wurden, so fanden wir also auch Löcher in den Böden vor usw.

Zwischen Freude und Euphorie mischte sich damit auch das Gefühl der Ohnmacht – „das ist alles irgendwie zu viel“.

Warum erzähle ich das? Weil es ein wenig das Szenario verdeutlichen soll. So wie es uns ging und geht, geht es vielen Menschen in und außerhalb von Unternehmen: Etwas Unvorhergesehenes passiert und man muss (fast) alles über Bord werfen und schnell neue Lösungen kreieren.

 

Change Management und Hausrenovierung

Lassen Sie mich gleich eines vorweg klarstellen: Ich habe die ganze Situation nicht als Change Management-Situation erkannt und bin damit nicht bewusst mit meinen eigenen Strategien an die ganze Sache herangegangen – obwohl ich das hätte tun sollen. Nichtsdestotrotz laufen sowohl ich als auch meine Frau anscheinend bereits im Automodus und können gar nicht mehr anders, als das, was ich in Firmen anwende und trainiere, auch im Privatleben 1:1 umzusetzen. Glück für uns.

Unser Ziel brauchten wir nicht an Veränderung anpassen – das war dafür so perfekt zugeschnitten wie es nur sein konnte. Wir konnten uns beide von Anfang an unser fertiges Haus gedanklich ausmalen, mit einem gemütlich eingerichteten Obergeschoss zum Wohnen, Abschalten und Wohlfühlen und dem Untergeschoss mit unseren neuen Büros, der Betriebsküche und dem Meetingraum. Uns war klar, was wir wollten. Bis ins Detail. Wir konnten uns selbst bereits in diesem Szenario sehen, vorstellen wie wir bei einem entspannten Glas anstoßen und gemeinsam lachen. Das Bild des Reisziels war gestochen scharf. (Ziele an Change anpassen)

Nur wo sollten wir anfangen? Nach einiger Diskussion einigten wir uns darauf, dass wir uns Raum für Raum „erkämpfen“. Sobald das absolut Nötigste abgedeckt war, würden wir immer nur an einem einzigen Raum arbeiten, bis dieser komplett fertig war – erst dann ging es weiter zum nächsten (Wählen Sie einen Startpunkt). Darauf einigten wir uns, auch was die Besorgungen bei Baumärkten und Möbelhäusern betraf. Das war zwar nicht die effizienteste Variante, half uns aber das Problem überschaubar zu machen und nicht vor der enormen Herausforderung – Hausumbau und -einrichtung zu zweit – zurückzuschrecken (Schrittweise Veränderung implementieren).

 

Klare Verhaltensanleitungen helfen Widerstand zu überwinden

Ein weiterer wichtiger Schritt für mich war die Herangehensweise an die handwerklichen Dinge. Da hatte ich kaum Erfahrung oder Wissen. Ein Grundverständnis von Elektrik war da, aber ich hatte noch nie eine Wand verspachtelt, Böden verlegt, Gipsplatten zugeschnitten, Armaturen angeschlossen und so weiter. Dementsprechend fühlte ich mich zunächst unwohl, an diese Herausforderungen heranzugehen. Also entwickelte ich für mich einen Ablaufplan (kritische Schritte entwickeln):

  • How-to-Videos ansehen
  • Rückfragen mit meinem Onkel oder meiner Mum klären
  • vernünftiges Werkzeug kaufen und benutzen
  • in einem kleinen Bereich ausprobieren (kann auch an einer Testwand/an einem Testobjekt sein)
  • die eigentliche Aufgabe erledigen

Das funktionierte überraschend gut. Und nicht nur das, mit jedem kleinen Erfolg wuchs meine Zuversicht und ich traute mir größere und schwierigere Aufgaben zu (Schrittweise Veränderung implementieren, Mitarbeiter weiterentwickeln).

Zusätzlich wurde der Prozess eine Gewohnheit: How-to-Videos zum Frühstück mit Kaffee inklusive Notizen, danach Anruf oder WhatsAPP und direkt nach dem Frühstück ran ans Ausprobieren (Gewohnheiten und Abläufe schaffen). Dass die tatsächliche Aufgabe erledigt wird, war dann nur eine logische Folge. Darüber hinaus half mir unsere Vereinbarung – keine neue Aufgabe bis ein Raum fertig ist – dass ich auch schwierige Sachen anpackte, die ich sonst vor mir hergeschoben hätte (Schwarz-und-Weiß-Ziele implementieren).

 

Mit Change Management den Widerstand nehmen

Gab es weitere Change Management-Elemente? Aber natürlich. Ein wesentliches war, dass meine Frau mir die Angst nahm, etwas falsch zu machen und mich auf Misserfolge regelrecht vorbereitete (Den zu erwartenden Misserfolg vorwegnehmen). Sie ging so weit, dass sie sich teilweise über Fehler freute, damit wir daraus lernten (Eine Gewinnen- oder Lernen-Haltung entwickeln). Es gab verschiedene Gründe, warum wir uns darauf geeinigt hatten, dass wir die handwerklichen Dinge selber erledigen. Unter anderem erhielten wir von mehreren Handwerkern keine Rückmeldungen und keine verbindlichen Termine, bis wann diese die Arbeiten hätten erledigen können. Eine für uns logische Konsequenz dessen war, dass wir uns unabhängiger von anderen machen wollten und im Stande sein wollten, kleinere und mittlere Reparaturen selbst zu erledigen. Die Vorstellung von uns als potente Handwerker gefiel uns und wir sprachen explizit darüber (Die richtige Identität schaffen). Uns war beiden bewusst, dass wir bisher kaum handwerkliche Erfahrung hatten, aber bestärkten uns gegenseitig, dass wir das mit genug Ausdauer lernen konnten. (Ein Growth-Mindset entwickeln).

Da wir bei unseren ersten Einkäufen immer etwas vergaßen, legten wir uns außerdem eine Art Checkliste zu, anhand derer wir den Bedarf für den jeweiligen Raum und die Einkaufsliste für das jeweilige Geschäft mit Hilfe von How-To-Videos erhoben, sowie ein Heftchen, indem wir alle Notizen aufschrieben (Checklisten benutzen).

 

Es hat geklappt!

Alles in allem hat unsere Herangehensweise dazu geführt, dass wir den Großteil des Projektes in dreieinhalb Wochen abgeschlossen hatten und das in einer Qualität, die wir uns zu Beginn sicherlich nicht zugetraut hatten. Dieser Rückblick hat mich auch dazu bewogen diesen Artikel zu schreiben. Es hat mich fasziniert, zu erkennen, wie meine eigenen Strategien – auf mich angewandt – zu wirken begannen. Ich konnte selbst erleben, wie ich durch kleinste Prozesse und eine klare Verhaltensanleitung immer zuversichtlicher in meinen Fähigkeiten wurde, bis ich neuen Herausforderungen mit Freude entgegengetreten bin.

Außerdem machte es mich glücklich zu sehen, wie meine Frau mehr und mehr Freude mit unserem Projekt hatte und begeistert auf das bereits Erreichte blickte (Kleine Siege planen) – das gab sehr viel Motivation für den nächsten Tag.

 

Ich war in diesem Fall Lernender und stand vor einer enormen Herausforderung, vor der ich im schlimmsten Fall komplett zurückgeschreckt wäre, in einem etwas weniger schlimmen Fall mittendrinnen aufgegeben, bzw. keine Freude daran verspürt und schlechte Ergebnisse produziert hätte. Am eigenen Leib in dieser Situation zu erleben, wie all die kleinen Werkzeuge für mich selbst so wunderbar funktioniert haben, hat mich nicht nur mit Stolz erfüllt, sondern mich auch in meiner Mission bestärkt, diese Fähigkeiten auch anderen Personen weiterzugeben. 

Ich bin sicherlich nicht der erste, der feststellt, dass seine Fähigkeiten auch in einem komplett anderen Bereich Erfolge erzielen – für mich war es auf jeden Fall eine großartige Erfahrung.