Es vergeht kein Tag in meiner Timeline auf LinkedIn oder in einem Gespräch, wo Führung nicht gleich mit guten Social Skills gestellt wird. Der Gipfel der Führungsfähigkeiten. Ein Gespür für die Menschen.

Aber ist es das, was eine außergewöhnliche Führungskraft ausmacht? Ich behaupte nein.

Ich habe mich nun entschieden, ein Ranking der wichtigsten Führungsfähigkeiten zu erstellen, die es braucht, um eine außergewöhnliche und damit hocherfolgreiche Führungskraft zu sein. Dieses Ranking gründet auf meinen 13 Jahre Erfahrung als Geschäftsführer und der Zusammenarbeit mit dutzenden Führungskräften in meiner jetzigen Funktion als Trainer, Coach und Consultant zum Thema Führung.

Einschränkung: Dieses Ranking bezieht sich auf Führungskräfte, die aktiv Mitarbeiter führen – also nicht jene, die primär strategische Entscheidungen treffen und Geschäftsbeziehungen pflegen.

Mein Ranking sieht wie folgt aus:

Um eine außergewöhnliche Führungskraft zu sein, müssen Sie

    1. Menschen mögen,
    2. (ein ausreichendes Verständnis der Materie haben,)
    3. Mitarbeiter effektiv führen können,
    4. wissen, durch welche Aufgaben Sie den größten Mehrwert als Führungskraft schaffen und wie Sie diese erfüllen,
    5. über einen guten Entscheidungsprozess verfügen,
    6. im Stande sein richtig zu kommunizieren und Beziehungen zu pflegen (Social Skills)
    7. selbstorganisiert sein,
    8. stressresistent sein und die Fähigkeit besitzen, Stress aktiv abbauen zu können
    9. (und Projektmanagement und Delegation beherrschen).

 

Und so begründe ich mein Ranking

  1. Sie sollten Menschen mögen.

Als Führungskraft werden Sie vor vielen Herausforderungen in zwischenmenschlichen Beziehungen und durch das menschliche Verhalten ausgelöst, stehen. Damit Sie diese bewältigen können, müssen Sie der Überzeugung sein, dass Menschen im Großen und Ganzen gut sind und diese mögen. Jemand, der Menschen grundsätzlich von oben herab betrachtet und diese eventuell sogar verachtet, hat meiner Meinung nach in einer Führungsposition nichts verloren. Wenn Sie Menschen ablehnen oder misstrauen, wird diese Grundhaltung sich unbewusst in jeglichem Verhalten widerspiegeln und egal über welche Fähigkeiten Sie auch verfügen, Sie werden sich nie zu einer außergewöhnlichen Führungskraft entwickeln.

 

  1. (Sie sollten ausreichend Verständnis der Materie haben.)

Ich habe diesen Punkt bewusst in Klammern gesetzt, da er ohnehin (fast) immer erfüllt wird. Keine Führungskraft wird in eine Position befördert, von der sie keinerlei Ahnung hat. Ausreichend bedeutet für mich in diesem Zusammenhang, dass Sie im Stande sind, die grundlegende Situation verstehen, einordnen und die Tragweite von Entscheidungen beurteilen können. Sie müssen weder der beste Programmierer noch der beste Handwerker im Team sein, um es effektiv zu führen. Sie müssen fachlich im Stande sein, die Qualität der Arbeit Ihrer Mitarbeiter zu beurteilen und zu verstehen und zu erkennen, was Einfluss auf deren Produktivität hat.

 

  1. Sie sollten Mitarbeiter effektiv führen können.

Unter diesem Punkt verstehe ich die Fähigkeit zu erkennen, was Mitarbeiter daran hindert, Höchstleistungen zu erzielen und über die Werkzeuge zu verfügen, diese Hindernisse aus der Welt zu schaffen bzw. im Vorhinein zu verhindern. Mangelnde Höchstleistung liegt immer entweder an mangelnder Klarheit, fehlenden oder entgegenwirkenden Emotionen oder an Rahmenbedingungen, die Höchstleistungen entgegenwirken. Der Grund, warum diese Fähigkeit Rang 3 einnimmt, hat damit zu tun, dass sie (fast) täglich gebraucht wird, bzw. wenn Sie darüber überhaupt nicht oder kaum verfügen, Sie auch nicht im Stande sind, grundlegende Probleme der Mitarbeiterführung zu erkennen und zu beheben. Das bedeutet, jegliche Produktivität wird im Keim erstickt. Sie können noch so gut kommunizieren, wenn Sie aber nur warme Luft kommunizieren, nützt Ihnen das wenig.

 

  1. Sie sollten wissen, durch welche Aufgaben Sie den größten Mehrwert als Führungskraft schaffen und wie Sie diese erfüllen.

Führungskräfte sind der Hebel, der die Produktivität massiv steigert oder senkt. Trotzdem haben die wenigsten Führungskräfte ein Verständnis davon, wie sie in ihrer Rolle wirklich Mehrwert schaffen. Meist herrscht ein eingeschränktes Verständnis von Mitarbeiterführung, Kostenverständnis und/oder Formen der Zusammenarbeit vor. Die Wichtigkeit oder Notwendigkeit von Entscheidungen wird unterschätzt oder bewusst ausgeblendet. Starres Denken oder schlichte Falscheinschätzung der Lage führt meist dazu, dass man auf Probleme in der Zukunft unzureichend vorbereitet ist. Die eigene Führung findet meist ausschließlich nach unten, selten aber parallel oder gar nach oben statt. All das führt dazu, dass außergewöhnliche und durchschnittliche Führungskräfte meist nicht nur wenige Prozent, sondern oft ein Vielfaches an Produktivität trennen.

 

  1. Sie sollten über einen guten Entscheidungsprozess verfügen.

Die Aufgabe Konflikte zu entscheiden bzw. generell Entscheidungen zu treffen, ist die ureigenste Führungsaufgabe überhaupt. Spätestens dann, wenn eine Gruppe auf ein Problem trifft, wählt sie eine Führung. Es ist dann die Aufgabe der Führung, die Ressourcen der Gruppe mittels einer Entscheidung zu bündeln, um das gemeinsame Problem zu lösen. Entscheidungen und die Art wie sie getroffen werden, haben weitreichende Konsequenzen, selbst dann, wenn sie auf unteren Ebenen getroffen werden. Verfügen Führungskräfte über keinen Entscheidungsprozess, dem sie vertrauen und der verlässlich zu besseren Entscheidungen führt, werden sie nicht nur regelmäßig schlechtere Entscheidungen treffen, sondern auch vor notwendigen Entscheidungen zurückschrecken und diese hinauszögern. Dieser Stillstand ist oftmals die Ursache für Konflikte, die man eigentlich durch die Vermeidung der Entscheidung verhindern wollte. Zusätzlich führt Stillstand immer zu massiven Produktivitätsverlusten.

 

  1. Sie sollten im Stande sein richtig zu kommunizieren und Beziehungen zu pflegen

Ich verstehe unter Social Skills und Kommunikation ein gutes Verständnis des zwischenmenschlichen Umgangs, die Fähigkeit leicht zwischenmenschliche Beziehungen herzustellen, Gefühle und Emotionen von Menschen zu verstehen und Informationen trennscharf zu übermitteln, während man die Art und Weise an sein Gegenüber effektiv anpasst. Nach dieser Definition könnte man meinen, dass diese Fähigkeit weiter oben anzusiedeln wäre. Ich kann diese Überlegung nachvollziehen. Fakt ist aber, dass ich zu oft Führungskräfte beobachtet habe, die zwar sehr gute zwischenmenschliche Beziehungen mit ihren Mitarbeitern pflegen und perfekt kommunizieren, aber weil sie nicht wissen, WAS sie kommunizieren sollen, als Führungskraft trotzdem ineffektiv sind. Verstehen Sie mich nicht falsch. Hätten Sie überhaupt kein Gefühl für zwischenmenschliche Beziehungen und würden Ihre Mitarbeiter wie Roboter behandeln, dann wäre dies genauso fatal. Allerdings habe ich noch keine einzige Führungskraft kennengelernt, die nicht über ein Grundmaß an Social Skills verfügt (vor allem, wenn Sie Punkt 1 erfüllen). Und wenn Sie die vorangegangenen Fähigkeiten beherrschen, dann sind Sie automatisch im Stande die notwendigen Informationen glasklar und respektvoll zu kommunizieren. Sie gewinnen vielleicht nicht die Auszeichnung als beliebteste Führungskraft ohne ausreichend Social Skills und Kommunikation, aber die vorangegangenen Punkte entscheiden doch mehr über Ihre Effektivität als Führungskraft. Das gesagt, Social Skills und Kommunikationsfähigkeiten SIND WICHTIG. Sie sind Fähigkeiten, die die Effektivität aller anderen Fähigkeiten steigern und können daher zu einem massiven Produktivitätsschub führen.

 

  1. Sie sollten selbstorganisiert sein.

Anhand dieser Liste sehen Sie, dass die Anforderungen an eine Führungskraft enorm sind. Meist kommen noch operative Tätigkeiten hinzu. Die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren und nicht den Überblick zu verlieren, ist daher für den Schritt zur außergewöhnlichen Führungskraft unumgänglich. Sie werden mehr als einmal den Überblick verlieren und die Fähigkeit, wie gut Sie sich selbst organisieren können, wird darüber entscheiden, wie oft das passiert und wie schnell Sie wieder Herr der Lage werden.

 

  1. Sie sollten die Fähigkeit besitzen, Stress aktiv abbauen zu können.

Dieser Punkt geht Hand in Hand mit den Aussagen des vorangegangenen. Führungskräfte befinden sich in einem enormen Spannungsfeld. Für Ihre Mitarbeiter stellen Sie DIE Führung dar, obwohl Sie selbst oft nur über einen eingeschränkten Handlungsspielraum verfügen. Zusätzlich werden Sie selbst oft nur mangelnd geführt, werden aber zur Verantwortung für Situationen gezogen, die Sie gar nicht oder wenig beeinflussen können. Zusätzlich ist Zeit eine absolute Mangelware und es gilt ständig, die verschiedenen Aufgaben gegeneinander abzuwiegen. Das alles sorgt bei den meisten Normalsterblichen für einen hohen Stresslevel, der sich auf Dauer negativ auf die gesamte Leistungsfähigkeit auswirkt. Die Fähigkeit diesen Stress abzubauen, ist daher im Sinne der Effektivität, aber vor allem auch im Sinne der Gesundheit unumgänglich.

 

  1. Sie sollten Projektmanagement und Delegation beherrschen

Egal wie Ihr Unternehmen agiert, Führungskräfte stecken immer in der ein oder anderen Form in einem Projekt, auch wenn es nicht immer als solches deklariert wird. Die Fähigkeit Projekte zu planen, zu managen, Engpässe zu erkennen und vieles mehr ist daher fast schon im Wort Führungskraft inkludiert. Der Grund, warum ich es dennoch eingeklammert habe, ist, weil viele Führungskräfte dieser Aufgabe auf Kosten der bereits beschriebenen Aufgaben zu viel Zeit widmen, obwohl es die einzige Aufgabe ist, bei der sie Arbeit im größeren Stil an ihre Mitarbeiter abgeben könnten. Ich verstehe, dass man in Kontrolle sein will, aber das bedeutet nicht, dass jeder Schritt selbst durchgeführt werden muss. Ein gutes Berichtswesen und effektive Delegation sind im Stande für Führungskräfte genau jenen Freiraum zu schaffen, damit Führungsaufgaben erfüllt werden können. Ein gutes Verständnis von Projektmanagement und Delegation hilft Ihnen dabei. Verfügen Sie allerdings nicht über die vorangegangenen Fähigkeiten, nützt Ihnen diese Fähigkeiten wesentlich weniger. Erstens erkennen Sie die Notwendigkeit für Delegation nicht, zweitens würden Sie Ihre Zeit nicht effektiver nutzen.

 

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, dann interessiert Sie das Thema wirklich. Sie werden eventuell auch nicht mit allem einverstanden sein, was ich hier geschrieben habe. Vielleicht hätten Sie die Reihenfolge geändert, eventuell eine andere Fähigkeit hinzugefügt und dafür etwas weggelassen. Ich gehe aus Erfahrung bewusst davon aus, dass jede Fähigkeit zumindest in einem geringen Maße vorhanden ist.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mit diesem Artikel der einen oder anderen Führungskraft einen guten Überblick und eine gute Orientierung geben konnte. Oft ist es genau das, was es braucht, um wieder neuen Mut und neue Energie zu schöpfen.

Suchen Sie dabei Unterstützung, dann empfehle ich Ihnen eine Fokus-Einheit mit mir zu buchen. Dort schaffen wir gemeinsam einen guten Startpunkt für Ihren Weg zur außergewöhnlichen Führungskraft.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg!

So long,

Ihr Stefan Delano

   

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